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Zusammenfassung:

 

·      Samstag 29. Mai 2010 Flug nach Korfu, auf dem Schiff einrichten, Proviant einkaufen erstes Schlafen auf dem Schiff.

·      Sonntag 30. Mai erste seemännische Manöver auf See, Schwimmen, Ankern in einer wunderschönen Bucht, essen an Land.

·      Montag, den 31. Mai Seemännische Fortsetzung, baden in einer karibikmässigen Bucht mit allen Blautönen, ankern in einer noch schöneren Bucht auf Paxos

·      Dienstag, 1. Juni „Nach einem Gebet rückwärts hat man keine seelischen Blähungen mehr!” Hart am Wind, bis zum Abend war nicht nur das Wetter wieder im Lot.

·      Mittwoch, den 2. Juni Grotten und anhängliche Fische, die noch schönere Rückseite einer Insel und der ultimative Swiss-Event-Night

·      Donnerstag, den 3. Juni, Sonnig und windig S 8 Sightseeing-Safari, Butterfly und Fischerhafen     

·      Freitag, 4. Juni sonnig und sehr warm, Festungs- und Souvenirtag, Bewusstsein dass die Woche bald rum ist nimmt überhand.

·      Samstag, den 5 Juni, bewölkt und Wind für heute nicht von Bedeutung

 

 

Epilog

Als Urs mich fragte ob ich Lust und Zeit hätte zu diesem Segelturn mitzukommen erinnerte ich mich an einen Text den ich mal über Antoine de Saint-Exupéry gelesen habe: Unendliche Weiten des Meeres! Das Wichtigste ist das was über das konkrete Werk hinaus geht. Wenn du ein Schiff bauen willst so trommle nicht Leute zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern Lehre sie die Sehnsucht nach den weiten endlosen Meer, das klingt paradox. Wer vom weiten Meer träumt, wer die Sehnsucht nach dieser Weite in sich trägt, dem traut man harte Arbeit nicht zu und dennoch steckt in diesem Satz des französischen Dichters eine tiefe Wahrheit. Wer genau zu wissen meint was ein Schiff ist, der wird eins der vielen Schiffe nachbauen die schon existieren. Er wird sich einen Bauplan für das Schiff besorgen und diesen genau ausführen. Doch was ein Schiff sein könnte erahnt nur der, in dem die Sehnsucht nach der Weite des Meeres lebt. Die Sehnsucht zeigt ihm ein Schiff das ihn dorthin trägt. Nur das Schiff, dass die Sehnsucht baut, atmet die Weite des Meeres. Dass der Künstler die Sehnsucht braucht um schöpferisch tätig zu sein, können wir alle verstehen. Das Kunstwerk geht ja über das Zweckbestimmte hinaus. Der Künstler darf sich seiner Fantasie und Kreativität hingeben, ein Schiff jedoch dient einem bestimmten Zweck: Es muss funktionstüchtig sein, es muss fahren können und sicher sein in den Gefahren des Meeres. Und doch meint Antoine de Saint-Exupéry, dass auch die Nutzgegenstände in unserm Alltag die Sehnsucht brauchen. Viele Erfinder haben zuerst ihrer Sehnsucht gehorcht als sie ans Werk gingen. Sie wussten wonach sich die Menschen sehnen und schafften dann etwas, dass ihre Sehnsucht, wenn auch nicht erfüllt, so doch zumindest anspricht.

Ich sagte zu! Das zum Thema Sehnsüchte!

 

Samstag 29. Mai 2010 Aufbruch

Mitternacht vorbei und vor:

Sonnenaufgang 05.28, wechselnd bewölkt, noch kühl, es werden aber Temperatur max. 23°C, Wind 2 N.

Urs startet seinen LEON kurz nach 3 Uhr, (absolut unmenschliche Zeit!!) nachdem seine grosszügige Tasche und eine unscheinbare von Ralph im Kofferraum verstaut waren, wurde der Reihe nach alle eingesammelt dh. René, Hansjörg und mich. Sofort auf die kaum befahrene Autobahn vor dem Bözberg Richtung Zürich.  Alle glauben gemäss der genauen Aufstellung von Urs definitiv alles dabei zu haben. Alles läuft nach Plan, lockere Gespräche zu früher Stunde lies die Fahrt kurzweilig erscheinen.

P40, im Erdgeschoss wurde das Auto Millimeter genau ins Parkfeld positioniert.  

DSCN1045.JPG boarding ZHR.jpg Check In AirBerlin AB3790, Schalter 345 kurz nach 5 Uhr, Gewichtsausgleich vor dem Desk unserer Gepäckstücke! Boarding ist gegen 0610, nachdem beim Security check die Sonnencrems und Zahnpastas an die netten Beamten abgegeben werden durften. Start auf Landebahn 10 vom Flughafen Zürich nach Kerkyra (CFU) in südwestlicher Richtung. Etwas Musse auf dem Flug um sich mit dem Reiseziel zu beschäftigen:

Korfu die zweitgrösste (593km2) Insel im Ionischen Meer, etwa auf der Höhe des italienischen Stiefelabsatzes, im Norden mit ca. 2km an das albanische Festland. Korfu gehört zu den wohlhabendsten Gebieten von Griechenland, In der griechischen Mythologie ist Korfu die Insel Scheria. Den griechischen Namen Kerkyra erhielt die Insel der Sage nach von der Nymphe Gorgyra (auch Kerkyra), die vom Meeresgott Poseidon auf die Insel gebracht wurde.  Durch das Ansteigen des Meeresspiegels wurde Korfu vor etwa 9.000 Jahren vom Festland getrennt. Griechische Siedler aus Eretria gründeten im 8. Jahrhundert v. Chr. eine erste Kolonie. Kerkyra stieg sehr rasch zu einer Seemacht auf. Im Jahr 664 v. Chr. besiegte es die Mutterstadt Korinth in der laut Thukydides ersten Seeschlacht in Griechenland und löste sich damit von dessen Vorherrschaft.  480 v. Chr. stellte Korfu die zweitgrößte Flotte der Griechen, 60 Schiffe, nahm aber nicht aktiv am Krieg gegen die Perser teil. In der hellenistischen Zeit (ab 300 v. Chr.) war die Unabhängigkeit Korfus bedroht. Die Insel wurde von Abenteurern aus Syrakus überfallen. Von 395 an gehörte Korfu zum Oströmischen Reich. Mitte des 14. Jahrhunderts kam die Insel unter den Einfluss der Republik Venedig. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war Korfus Geschichte von den Kriegen mit den Türken geprägt. Am 21. Mai 1864 wurde Korfu Teil Griechenlands, davor gaben Venezianer Türken, Russen und Franzosen als Herrscher über Korfu aus. Im 2. Weltkrieg wurde Korfu bombardiert  von Italienern später von den Deutschen. Ebenfalls zig tausend Tote im 1. Weltkrieg.

Ankunft on Time 0920 (Localtime UTC-2h) Volte SO auf Landebahn 17 (6 Fuss 2m ü M) auf Korfu,

IMG_0103.JPG Ausschau nach Blue Lagoon! Gemeint ist nicht der Willkommens-Cocktail mit Wodka und Blue  Curacao mit einem Schuss Zitronensaft sondern ein Schild welches ein Abholtaxifahrer, organisiert von unserem Skipper, in die Höhe halten müsste. Klappte auch vorzüglich und wir erreichten nach kurzer Fahrt die Marina. (N39.649716,E19.863796) Die Geschwindigkeit der Taxifahrt wurde anschliessend in der Hafenkneipe gleich mit der Bediengeschwindigkeit aufs äusserste kompensiert. Nach ein paar Bier und der Tenueerleichterung, war es doch tatsächlich ein paar ° C wärmer als vor dem Abflug in der Schweiz, verging die Zeit wie im Flug. Urs schwärmt von seinem iPhon womit er uns täglich auf dem neusten Stand hält. Was wäre die Welt ohne diese kleinen genialen Dinger. Sei es die Windstärke und Richtung, oder nur die kleinen Spiele für den Zeitvertreib. Irgendwann tauchte unser Skipper Andreas auf und machte uns mit dem weiteren Vorgehen vertraut. Als erstes war Warten angesagt, da Yacht geputzt, der Skipper sich mit den wunderlichen Verhaltens-weisen der griechischen Hafenbehörde herumschlagen musste. Unsere zukünftige Anwesenheit auf dem Schiff musste dokumentiert werden. Mit ein paar Runden im Hafen und ein paar Bier später, war Boarding auf der Blue Lagoon angesagt, die auf Pier M liegt. Kaum zu glauben wie eng so ein Schiff sein kann. Nach kurzer Beratung wurden die Kojen verteilt. Ralf bekam bevorzugt die Koje Steuerbord achtern  (Vom Skipper: wo es ein R mehr drin hat ist Steuerbord, dh. rechts Richtung Bug gesehen) Urs und Hansjörg Backbord achtern, René und ich die Abstellkammer im Bug Steuerbord, mit zwei „Gartenbänken“ übereinander zum Schlafen. Der Skipper die Suite im Bug Backbord. In der Mitte der 41 Fuss Yacht (41x0,30479m=12.49 Meter) befindet sich die Küche (Kombüse) mit dem Esstisch und einer Toilette.

DSCN1050.JPG Nun ging es ans Einkaufen um eine Woche auf stürmischer See zu überleben. Im nahegelegen ca. 1km entfernten Einkaufscenter mit dem Namen AB, wurde der Einkaufswagen gefüllt. Scheinbar wurden wir von unserem Skipper angekündigt, denn kurz vor dem Einkauf fragte uns eine Blondine, ob wir jetzt die Jungs aus der Schweiz seien. Was hat Andreas wohl über uns erzählt!? Hochrechnungen für den täglichen Bedarf an Bier für Zwischendurch, Wein zum Essen sowie allerlei für verschiedene Vorlieben unserer Truppe liessen den Einkaufs-wagen bzw. zwei Einkaufswagen wasserfallartig und blitzschnell füllen. Es liess sich sogar eine Gaspatrone für den mitgebrachten Gaskocher finden, auch wenn Form und Farbe nicht mit den schweizerisch bekannten Massstäben übereinstimmten. Etwas später parkten wir die beiden Einkaufswagen längsseits zur Blue Lagoon und verstauten unsere Vorräte.

DSCN1062.JPG Andreas (Skipper) empfahl uns SORBAS, ein Lokal am Weg zum AB zum Nachtessen und reservierte gleich einen Tisch. Wir machten uns zu Sorbas auf. Das Lokal machte dem grossen griechischen Dichter Nikos Kazantzakis der 1946 den Roman über das Leben von Alexis Sorbas schrieb, alle Ehre. Die Portionen waren riesig, eigentlich wäre man nach einem Gang satt gewesen, eben nach dem Motto des Romans:   „Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten“ Der Skipper stiess später ebenfalls dazu und er musste natürlich die überbacken Champignons bestellen welche er uns empfohlen hatte. Später ging es zurück aufs Schiff wo nach einem kleinen Schlummertrunk nach diesem langen Tag erstmals die Kojen getestet wurden. Das Meer war ruhig, zudem wir fest verankert im Hafen lagen und wir alle äussert müde waren, fielen wir bald in einen tiefen Schlaf. Ausser Hansjörg der irgendwann sich für die Sitzbank am Esstisch um entschied. Wer weiss, was wirklich der Grund dafür war?!!!

 

Sonntag 30. Mai 2010 erste seemännische Manöver auf See

nicht kurz nach Sonnenaufgang Wind 2 S, leicht bewölkt und 26°C

Andreas bereitete gegen halb acht das Frühstück, wie er am Vorabend ankündigte: Begründung: Die letzten müssen abwaschen!!

Frühstück wie für Landratten, kein Lebertran, Rum oder faules Wasser (Kennt man ja alles von Johnny Depp). Gegen zehn ablegen. Kurz nach Ausfahrt aus der grossen Bucht SW vom Hafen Halt und Anker werfen: Sicherheit auf einer Segelyacht! Sehr umfassende Informationen ohne praktische Übungen! Unteranderem: Schwimmwesten einstellen, was ist zu tun wenn Mann über Bord (daher keine Frauen auf einem Boot), oder wenn der Skipper über Bord gehen sollte, wissen wo Rettungsinsel, bei Ausfall des Ruders usw. scheinbar kann sehr viel auf einem Schiff passieren. Wir fühlten uns danach viel sicherer   als je zuvor, wussten wir doch jetzt was zu tun wäre wenn….! Zudem haben wir doch zwei zusätzlich versierte Seemänner in Urs und Hansjörg mit an Bord.

Seeventile schliessen, wer kennt schon Seeventile! Seeventile sind überall dort angebracht, wo Wasserleitungen vom Schiffsinnern nach aussen durch die Bordwand verlaufen, so z.B. bei der Spüle, im WC und Dusche. Die häufigste Ursache für Wasser im Schiff sind nicht Lecks im Rumpf, sondern versehentlich offen gelassene oder defekte Seeventile! Grundsätzlich werden vor dem Auslaufen alle Seeventile geschlossen. Daher ist es absolut notwendig, dass jedes Crewmitglied die Lage und den Verschlussmechanismus aller Seeventile kennt, um diese selbständig zu finden und bedienen zu können.

DSC01168.JPG DSC09013.JPG Anker lichten und endlich ging’s los. Fossil angetrieben fuhren wir dem Wind entgegen. In einer wunderschönen Bucht (N39.407185, E20.223684) vor Anker und schwimmen im 21° C mässig warmen, kristall klarem Wasser. Eine gemischtes Plättli liess den kleinen Hunger zwischendurch und ein noch kleineres Bier den grossen Durst stillen. Anschliessend weiter nach Syvota in einem wunderbaren Naturhafen mit einer grossen Bucht mit zwei kleinen vorgelagerten Inseln, gehört zum griechischen Festland. Fahrschule für das Dingi für Ralph und mich. Beide bestanden die äusserst schwere und anspruchsvolle Prüfung. Dingi, für welche die dieses Wort ebenfalls zum ersten Male hören: Das Dingi ist ein kleines Beiboot, das von einer einzelnen Person bedient werden kann. Es wird entweder mit einem Aussenbordmotor oder mit Riemen angetrieben. In der britischen Royal Navy und der deutschen Marine bürgerte sich die Bezeichnung Dingi Anfang des 19. Jahrhunderts ein und bezeichnete dort ein kleines Beiboot.

Mit eben diesem Dingi, wir hatten glücklicherweise eines mit Aussenbordmotor, wenn er dann lief!! shuttelten wir an Land. Ein paar Kneipen gleich am Wasser in einem malerischen Hafen stärkten wir uns mit ein paar Biers für den Abend. Fisch muss man hier essen! So der Rat vom Skipper. Ein paar Meter weiter liessen wir uns ein paar Fische zeigen welche wir kurze Zeit später auf unseren Tellern hatten, neben einem griechischen Salat spendierte uns der Wirt ein paar kleinere Fische zusätzlich welche er angeblich so nicht verkaufen könne, da zu klein. Hansjörg, unser Schatzmeister, beglich wie üblich unsere Ausgaben.

Zurück an Bord, mit letztem Schlummertrunk, ab in die Kojen.

 

Montag, den 31. Mai 2010 Seemännische Fortsetzung

Routiniert läuft der Tag an, mit Frühstück mit Kaffee (Pulver erst nach dem Kochen des Wassers beigeben) und Tee, Cornflakes Jogurt  und Brot.

Mit grosser Windhoffnung lichteten wir den Anker und angetrieben mit 50 Ps Kurs W aufs offenen Meer.

Seeventile geschlossen!?

Segel setzen: Zuerst die Genua, gemeint ist nicht Kurs auf den norditalienischen Hafen sondern: Als Genua wird ein vergrößertes, anstelle der normalen Fock gesetztes Vorsegel auf Segelbooten und Segelyachten bezeichnet. Die Genua überlappt im Gegensatz zur Fock den Mast, das heißt das Schothorn befindet sich hinter dem Mast. Bei vielen Segelboottypen ist die Segelfläche der Genua grösser als die des Grosssegels. Die Genua wird bei leichten bis mäßigen Winden gefahren. Ebenso wie eine normale Fock kann auch die Genua mittels einer Rollreffanlage in ihrer Segelfläche verkleinert oder vollständig geborgen werden. Der Name des Segels kommt von einer 1927 in Genua ausgetragenen Regatta der 6-Meter-Rennyachten, wo es erstmals von Sven Salén, einem schwedischen Segler, gesetzt wurde. Früher wurde die Genua auch, zur Unterscheidung vom bauchiger geschnittenen Raumballon, als Kreuzballon bezeichnet.

Auf der Steuerbordseite (bzw. je nach Windrichtung Backbordseite) wird an der betreffenden Leine, welche mit der Genua verbunden ist, gezogen. Das Segel rollt sich aus und wird mittels einer Winsch (engl. Winde) gespannt, Winsch!? Eine Leine wird, im Unterschied zu anderen Seilwinden, auf einer Winsch nicht aufgewickelt, sondern lediglich mit einigen Windungen um eine Trommel gelegt, die mit einer Handkurbel gedreht werden kann. Die Winschtrommel besteht aus einem aufgerauten oder gerippten Metallzylinder, der sich nur in eine Richtung drehen lässt. In der anderen Drehrichtung verhindern Sperrklinken, dass sich die Leine wieder abwickelt. Das lose Leinenende muss straff gehalten werden, um die Reibung zwischen Winsch und Tauwerk zu vergrößern. Bei Selftailern (selbstholenden Winschen) übernimmt eine konisch profilierte und zur Erhöhung der Reibung geriffelte Umlenkrolle die Führung und verhindert ein Durchrutschen der Leine. Der Konus ermöglicht außerdem, dass Tauwerk unterschiedlichen Durchmessers über die Winsch geführt werden kann. Zur Vergrößerung des Drehmoments verfügen Winschen über ein eingebautes Getriebe, das mehrere Umdrehungen der Kurbel in eine geringere Zahl von Trommeldrehungen untersetzt. Bei Zweigangwinschen hat das Getriebe zwei Übersetzungsstufen. Je nach Drehrichtung der Kurbel werden dabei unterschiedliche Drehgeschwindigkeiten und Drehmomente erzielt. Genial! Übrigens: Leonard Euler, Basler und Schweizer, stellte die mathematische Formel mit welchem Umschlingungswinkel welche Kraft aufgenommen werden kann.  

DSCN1090.JPG Ähnlich funktioniert die Sache mit dem Grosssegel (Rollreffgrosssegel). Es muss, der Skipper erwähnt es immer wieder: Das Ausrollen des Segels (Endlosschlaufe) und das Ausziehen zum Mastbaumende gleichzeitig in Angriff genommen werden. Und die Dirk, verdammt und ganz wichtig unbedingt erst lösen wenn das Segel vollständig ausgezogen ist….. Alles klar?!, Sonst fällt einem der Baum auf den Kopf. Ein paar Mal später verstehen es auch nicht Seemänner. Mit etwa 5 Knoten (5x1.852=9.26km/h) treibt uns der Wind gemächlich an. So über den Daumen braucht es etwa doppelt so viel Wind wie das Schiff Fahrt aufnehmen kann. Also weht der Wind aktuell so mit 10 Knoten. Natürlich gibt es Richtungen in welche nicht gesegelt werden kann. Andreas verfügt über eine ganze Reihe von Hilfsmittel um das Schiff auf Kurs zu halten. Neben GPS und Wind- Richtung und Geschwindigkeitsanzeigen verfügt das Boot über einen Autopiloten. Faszinierend! Neben den Vorgaben Windrichtung zum Segel einhalten, Kurs usw. erleichtert dies das Steuern. Somit hat der Skipper Zeit nach Delfinen Ausschau zu halten, welche im weiteren Verlauf auch tatsächlich auftauchen. Überhaupt hat der Skipper ganz viele Finessen ins Boot gesteckt, neben der ausgeklügelter Stromversorgung unter anderem mit Solarpanels ist er ganz stolz auf die Musikanlage wo er uns aus seiner unermesslichen Musiksammlung Kostproben abgibt. Speziell bekommen wir Launchmusik und chillout zu hören. So trifft man nicht immer alle Geschmäcke, es führte allerdings nie zu einem Affront.

delfin.jpg Ein Halt in einer wunderschönen Bucht, mit karibikmässigen Blautönen verbanden wir mit ausgiebigem Schwimmen. Wieder auf See geben sich alle ihren Gedanken hin. Chillen würde es jetzt meine Tochter Lara nennen! Beeindruckend wie man den Alltag am Ufer zurück lässt und wie weiter man vom Ufer weg ist die Gedanken sich zu lösen beginnen. Dem Leben eine unbeschwerte Richtung geben ohne genau zu wissen wo hin es geht. Der Verstand löst sich und eine innere Ruhe überkommt einem wenn man nichts als Wasser um sich sieht.

Ein Plättli lässt uns auf achtern wieder an irdisches Denken und mit einem kalten Bier besiegeln. (eine Kühltruhe ist ebenfalls an der vorzüglichen Stromversorgung angeschlossen und rund um die Uhr für kühle Getränke sorgt)

An dieser Stelle sei angemerkt, dass Andreas unser Skipper unseren Bierkonsum nicht mit uns teilte, da einer letztendlich für den Kurs und Schiff verantwortlich war. Auch die vielen Anekdoten vom Skipper können nur mit klarem Kopf an uns weitergegeben werden.

DSC09098.JPG Lakka in Sicht: Eine Perle und ein wunderschöner Ecken dieser Erde mit kristallklarem Wasser. Eine Bucht wie bei „Meuterei auf der Bounty“ die Matavi-Bucht wo Käpten William Bligh an Land ging.

DSC09093.JPG Lakka liegt am nördlichen Ende der Insel Paxos, mit der kleiner im Süden anstossenden Insel Anti-Paxos. Keine der beiden Inseln verfügt über einen Flughafen und gerade die Abgeschiedenheit abseits des Massentourismus macht den Reiz der Inseln aus. Die Legende erzählt, dass einst Poseidon Gott der Meere zweimal seinen Dreizack ins Wasser schlug und damit einen Zufluchtsort für seine Geliebten schuf – PAXOS. Ein Delfin soll den abgebrochenen 3zack wieder gebracht haben und so ist der 3Zack das Wappen von Paxos mit einer langen und spannenden Vergangenheit. Die geschichtliche Entwicklung der Insel verlief parallel zu der von Kerkyra (Korfu). Gemeinsam wurde gegen die Piraten gekämpft und die Überfälle der Türken abgewehrt. Im 15. Jahrhundert förderten die Venezianer gezielt die Anpflanzung von Olivenbäumen durch Zahlung von Pflanzungsprämien. So ist der heute noch sehr hohe Anteil der Ölproduktion an der Landwirtschaft und das hohe Alter der Bäume erklärbar. Die reichen Kulturen, denen der Besucher heute begegnet, wurden mit viel Ausdauer und Fleiß in der Vergangenheit geschaffen. Die Insel wurde zu einem unermesslichen Olivenhain. Auf der Insel gibt es fast 500.000 Olivenbäume. Die 152  verfallenen Ölmühlen erinnern noch heute an den Überfluss, den die Insel hervorbrachte, und an den Fleiß der Bewohner. Es gibt schöne Strände und die unzählige Buchten die nur vom Wasser aus erreichbar sind. Einen Ausflug nach der Ypapantis Höhle und nach Tripitos Arch darf nicht fehlen.

Mit einer eleganten Kurve steuert unser Skipper die Yacht in den Hafen und gehen vor Anker. Der Skipper kennt hier einen guten Metzger und wir verschieben nochmals unsere Swiss-Nostalgie Event Night um einen Tag.  In den meisten Lokalen gibt’s einen WLAN. Für wenig oder gar kein Geld bekommt man das Passwort für den Zugang und unser Skipper nutzt fasst täglich diesen  Dienst um sich seine Mails und: „wer weiss was sonst noch“, zu kümmern ;-). Einen Shuttle zur Insel und wir unternehmen einen Rundgang im Hafen. Eine entspannte Shopingmeile und kaum Touristen auf dem Weg zum Metzger. Bevor wir mit dem Dingi zurück fahren, ein Apèro in dem kleinen überdeckten Lokal gleich an Kaimauer. Eine junge und unerwartet blonde Griechin bedient uns. Der erste Shuttle bringt die Pyromanen und Köche an Bord. Unser Skipper feuert seinen Grill welcher auf Achtern am Aufbau des Solarzellenträgers hängt, ein. Als der Rest der Crew an Bord kommt ist alles Bereit für den ultimativen Grillabend auf der Segelyacht Blue Lagoon. Mit griechischem Salat, in dem endlich der vergammelnde Lattich verwertet werden konnte. Griechischer Wein und eben die Grilladen liesen den Abend unvergesslich werden.

 

Dienstag, 1. Juni  2010 „Nach einem Gebet rückwärts hat man keine seelischen Blähungen mehr!” Seemannsgarn!

IMG_0191.JPG Wind 15-20 aus S, Bewölkt regnerisch, kühl

Der aufs Schiff prasselnde Regen reisst uns am frühen Morgen aus dem Schlaf. Jetzt stellt man definitiv fest auf dem Schiff zu liegen. Es schaukelt furchtbar und das noch in der Bucht!? Das Frühstück zu zubereiten stellt schon eine kleine Heraus-forderung dar. Der Kochherd ist ganz im oberen Bereich an zwei Drehpunkten aufgehängt und gleicht so das Schaukeln des Schiffes immer wieder aus und die Kochfläche bleibt gerade.

DSC09203.JPG DSC09178.JPG Nach dem Frühstück geht’s aufs offene Meer. Urs und Hansjörg im Ölzeug! (Wasserdichte Segelbekleidung). Die beiden schildern uns eine Überfahrt von Málaga nach Rom. Kann ja heiter werden. Ausserhalb der Bucht bekommt man die Kraft der Elemente hautnah zu spüren.  Wir ziehen die Genua auf. Das Schiff nimmt rasch Fahrt auf. Die Schräglage ist bedenklich. Ich holte die Kamera aus meiner Koje. Unten lässt sich kaum mehr gehen, man wird vom einer in die andere Ecke geworfen. Etwas mulmig in der Magengegend. An Deck wieder besser. Jetzt ging es daran das Grosssegel zu setzen. Der Wind tobt, die Wellen schlagen hoch. Ich stand an der Winsch und plötzlich, wirklich plötzlich wandte ich mich zur Reling und tat was man in solchen Fällen eben tut. So bekamen die Fische noch etwas vom Frühstück ab. Der Skipper schickte mich ans Ruder (Steuerrad). Das verbesserte meine Unpässlichkeit sofort. Konzentration auf den Horizont um den Kurs zu halten genügte um mein Bauchgefühl schlagartig zu verbessern. Andreas legt derweil die passende Sailer Musik auf. Von Hans Albers biss Rod Stewart ist alles zu haben. Die Musik nahm ich nur nach am Rand wahr.

Letztlich rollen wir die komplette Segelfläche aus und die Sache hatte ganz schön knackige Züge angenommen. Das Schiff taucht rhythmisch in die Wellen ein und manchmal brechen sich die Wellen auf dem Deck. Das Boot liegt schräg zum Wind. Wir segelten hart am Wind zwischen Festland und Paxos. Eine Wende lies uns wieder in die Gegenrichtung segeln. Bei diesen Manövern sind genau Kommandos nötig, da die Segel und Ruder aufeinander abgestimmt werden müssen. (Bei einer Wende erfolgt ein Kurswechsel, bei dem das Schiff mit dem Bug durch den Wind geht, das heisst der Wind kommt während des Manövers kurzzeitig auch von vorn. Im Gegensatz dazu geht das Boot bei einer Halse mit dem Heck durch den Wind.)

DSC09290.JPG Das Wetter klart zusehends auf und nach dem Mittag beginnt sogar die Sonne zu scheinen. Wir wechseln uns am Ruder ab und es macht richtig Freude zusehen wie das Boot über das Wasser fegt. So mit 10 Knoten (10x1.852=18.52 km/h) Bei sonnigem Wetter liefen wir eine wunderschöne Bucht an. Immer noch windig und das Meer wellig, ankerten wir aber etwas im Lee der Bucht und es wurde etwas ruhiger. Rein ins Wasser und ein paar Runden schwimmen. Das Wasser wieder karibikmässig im tiefen blau. Ein Plättli stillte den kleinen Hunger nach dem Schwimmen. Erwähnenswert ist, dass es eine Dusche am Heck gibt, wenn man aus dem Wasser steigt kann man sich gleich abduschen, super!  

DSC09313.JPG Am späteren Nachmittag laufen wir in Gayos ein. Etwa in der Mitte auf der östlichen Seite von Paxos. Auf der Fahrt zur Hafeneinfahrt werden die je 4 Fender an beiden Schiffsseiten auf dem äussersten Punkt festgebunden. (Webleinstek od. Mastwurf) Ein Naturhafen mit einer vorgelagerten Insel, welche die Bucht vor Wind und Wetter schützt. Andreas befürchtete an der Ratteninsel anlegen zu müssen da im eigentlichen Hafen keine Platz mehr sein könnte. Wir Glückspilze fanden natürlich einen Platz und „parkten rückwärts“ ein. In der Mitte des Hafenbecken Anker werfen und entlang der Ankerkette rückwärts zwischen zwei andere Yachten bis an Kaimauer. Klappte vorzüglich auch wenn‘s ziemlich Aufregung auf einer der beiden Yachten gab. Das Schiff wird vertäut und gesichert.

Den Landungssteg/Gangway herunter lassen, Schuhe anziehen und schon mitten im Hafengetümmel. Andreas führt und gleich zu einer Gelateria, welche von einem richtigen Italiener geführt wird. Wunderbare Gelati in allen Sorten und Farben. Ganz viele Souvenirshops säumen die gepflegten Strassen und laden zum flanieren ein. Wir erkunden den ganzen Hafen bis zur engen Hafeneinfahrt wo eine Statue eines Olympioniken steht. Im Zentrum hängen wir ab und trinken ein kühles Bier.

Am Abend führt uns Andreas zum Spiesse Essen in eine typische griechische Taverne. Sehr gut alles, und so den ganzen Tag auf See mit Wind und Wetter macht Hunger und einen guten Wein dazu rundet die gute Stimmung ab. Wir lassen den Abend in einer kleinen Bar in der Nähe vom Schiff ausklingen.

 

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Mittwoch, den 2. Juni 2010 Grotten und anhängliche Fische

Wind 0, Sonnenschein

Frühstück mit frischem Brot und Sonnenschein. Heute wird der Wassertank aufgefüllt da ich einen Tag zuvor wohl zu lange abgewaschen hatte. Irgendwann soll ein Wassertankwagen kommen. Wir nutzen die Gelegenheit zu Körperpflege im nahen Fitnesscenter für 3 EUR pro Person zu Rasieren und Duschen. Wir sehen sonst wie Seeräuber aus. Wir setzen uns anschliessend vis a vis der Blue Lagoon und trinken einen griechischen Kaffee und sehen zu wie Urs unter der Leitung von Andreas mit dem Schiff einparken übt. Zwischenzeitlich sind ein paar Yachten ausgelaufen und es ist sicherlich zur Urs‘s Erleichterung nicht mehr ganz so eng. Gegen Mittag laufen wir aus und fahren um die Insel herum in südlicher Richtung Anti Paxos. Leider hat der Wind etwas nachgelassen und wir fahren dem Wind entgegen. In einer kleinen Bucht auf der südöstlichen Seite der Insel laufen wir eine romantische Bucht ein. Es sind schon ein paar Yachten da. Auch ein grosses Schiff, den Passagieren nach zu urteilen irgendetwas mit „All Inklusive“ lärmig und aus Lautsprechern tönt der klassische Sirtaki  über die ganze Bucht, derweilen die Leute vom Oberdeck ins Wasser springen. Wir schwimmen ebenfalls ein paar Runden und amüsieren uns über die Männer auf einem nahen Katamaran die irgendetwas inszenieren. Bald lichten wir den Anker und machen uns weiter auf Richtung Süden umrunden Anti Paxos und nähern uns der Westseite von Paxos. Diese Seite der Insel zeigt uns ein ganz anders Gesicht, Hohe Kalksteinfelsen, Schöne Buchten, eine sehr hohen Obelisken umgeben von Wasser, man könnte meinen hier wäre der eine James Bond Film gedreht worden.

DSCN1159.JPG In einer Bucht mit hohen Felsen legen wir einen Badehalt ein. Irgendetwas bewegt sich unten am Rand unseres Dingis. Keiner weiss was es ist. Sieht wie ein Putzfisch aus der sich am Dingi festgesaugt hat. Wir nehmen den Bootshaken und versuchen das etwas 40cm lange schlangenförmig Tier zu angeln. Schwupp und es war weg. Keiner traut sich ohne Badehosen ins Wasser, wer möchte schon an einer empfindlichen Stelle von solch einem Tier angedockt werden…..

Ein paar Seemeilen weiter (N39.218107,E20.132017) bewundern wir, wie das Meer Grotten ausgehöhlt hat. Wir fahren mit dem Dingi rein. Eine ganz spezielle Grotte welche unter Wasser eine Verbindung zum Meer hat leuchtet tief blau, wenn das Sonnenlicht nach innen reflektiert wird. Ein paar Möwen welche in den Kalkfelsen niesten passt unser Erscheinen gar nicht! Im Tiefflug versuchen sie uns zu attackieren. Wir versuchen daher wieder schnell zur Yacht zurück zu kommen.

Heute Abend steuern wir wieder Lakka an. Der Wetterbericht sagt starken Südwind an. Die Bucht die wir ursprünglich anlaufen wollten liegt bei diesem Wind stark exponiert. Zum Apéro an Land shutteln um Brot einzukaufen. Bei den Landgängen nehmen wir immer wieder die Abfälle vom Schiff mit und entsorgen diese in Container die im Hafen bereit stehen. Heute wird es ein ganz spezieller Abend. Endlich kam der mitgeschleppte Brenner mit der gekauften Gaspatrone zum Einsatz. Die beiden, schon in der Schweiz nach deftigen Originalrezepten abgepackten Käsemischungen, entwickelten den seit Generationen bekannten Geruch. Brot geschnitten, Wein kühl serviert. „Figugegl“ (Für nicht eingeweihte: Figugegl=Fondue ist gut und gibt eine gute Laune)  Eintauchen in das (eben nicht Caqulon) auf Achtern, himmlisch, diese Bucht, dieser Genuss und dieses feine Fondue. Ab jetzt verstehe ich wie Japaner am Vierwaldstättersee im Hochsommer ein Fondue essen können. Ich werde diese Menschen definitiv nie mehr einem verschmähenden Blick  abstrafen. Die gute Laune hielt lange an, René mixte noch ein paar Drinks! Man(n) kann ja schliesslich nicht immer Bier trinken. Irgendwann überkam uns die Müdigkeit und wir schleppten uns in die Kojen.

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Donnerstag, den 3. Juni 2010, Sonnig und windig S 8 Sightseeing-Safari      

Ein Gewitter mit Donner und Blitz, kräftiger Regen weckt und aus dem Schlaf. Wir bleiben länger liegen als sonst und frühstücken ausgiebig. Schaumkronen draussen verraten, dass es etwa 4-5 Bf Wind zu erwarten ist. Das Wetter klart auf und bald lacht die Sonne. Wir setzen die Segel, routiniert wie wir das schon immer getan hätten. Keine Dirk die runter fällt. Alles voll unter Segel. Andreas montiert zusätzlich einen Baum zur Genua. Auf einem Vorwindkurs werden dabei das Vorsegel und das Großsegel auf unterschiedlichen Seiten des Schiffes geführt. Vom Ausgangspunkt Raumschots wird dazu eines der beiden Segel geschiftet. Anschließend segelt man „platt vor dem Wind“. Der Rudergänger hat den achterlichen Wind sorgfältig zu beobachten, um eine unfreiwillige „Patenthalse“ zu vermeiden. Um den Baum gegen ein derartiges Übergehen zu sichern, wird ein „Bullenstander“ benutzt; dabei handelt es sich um ein Tau, das vom Baum aufs Vorschiff geführt und dort belegt (festgebunden) wird. Für die Ausweichregeln maßgeblich ist die Stellung des Großbaums. Gebräuchlich für diese Segelstellung ist auch die Bezeichnung „Butterfly“.

Z:\Bilder\1006\segelturn\DSC09411.JPG Wir liegen auf dem Deck und geniessen die ruhige See und das dahingleiten, und jeder hängt seinen Gedanken nach. Wir segeln ein gutes Stück nordwärts neuen Abenteuern und Herausforderungen entgegen. 

Hinter einer Landzunge gehen wir vor Anker (N39.451305,E20.061936) Andreas zeigt uns in ca. 2km Entfernung eine riesige Schar von Flamingos. Auf der Landzunge welche ca. 2x2km lang sind ein paar Teiche mit Wasser, getrennt vom Meer, unterbrochen mit Dämmen, in einem davon eben die Flamingos herum waten.

Nach einer Runde baden, Wasser immer noch so um 21°C, nicht wirklich sommerlich, aber sind es langsam gewohnt und es erfrischt so natürlich doppelt.

rudern.jpg Wir möchten die Flamingos näher an die Kamera bringen. Wir starten, Urs und der Skipper bleiben auf der Yacht, und fahren ans Ufer. Das Wasser ist kaum mehr 30cm unter dem Dingi und wir heben den Aussenborder leicht an um nicht gleich das Ufer umzupflügen. Wir haben vor, uns an die Flamingos heran zu pirschen. Die Dämme stellen sich als Sumpfgebiet heraus und mit hohem Schilf bewachsen, was ein rasches Durchkommen verhindert.  Wir suchen nach weiteren Möglichkeiten. Haben unsere Vorfahren nicht die Berge und Flüsse bezwungen, haben wir doch dieses Survivals -Gen mit der Muttermilch aufgenommen und so führen wir eine sorgfältige Lagerbeurteilung durch.

flamingos.jpg Etwas weiter meerwärts entdecken wir einen kleinen Kanal der scheinbar mit dem grossen Teich in welchen sich die Flamingos befinden, verbunden ist. Wir tragen das Dingi vom Ufer zu diesem Kanal. Unzählige Krebse tummeln sich in den Pfützen zum Kanal. Wagemutig schleppen wir das Dingi durch dieses Krabbenverseuchte kurze Stück zum Kanal. Erinnert irgendwie an Indiana Jones wo er durch diesen Gang mit Ratten musste. Wir erreichen den Kanal unangeknabbert und lassen das Boot wieder zu Wasser. Die Wassertiefe reicht kaum zum Rudern. Das Wasser wird schwarz wenn wir mit dem Ruder eintauchen um das Dingi vorwärts zu schieben. Es riecht brakig, erinnert an die Geruch von Kläranlagen, wenn man ganz nahe dran steht. Nach etwa 400 m erreichen wir den grossen See. Schilf und sonstiges Gewächs umfahren wir geschickt, keiner will in die Brühe steigen. Die Flamingos sind noch in weiter Ferne und scheinbar nehmen sie uns noch nicht wahr. Wir versuchen den Aussenborder wieder zu starten, auch wenn kaum Wasser unter dem Boot ist, die Distanz ist immer noch rund 300-400 m. Der Aussenborder stellen wir schräg zum Wasser aber es wühlt dennoch immensen schwarzen Schlamm auf und hinterlässt eine Fahrspur des Grauens. Langsam kommen wir näher. Die Tiere werden etwas unruhig und wir schalten den Motor ab und rudern in geduckter Stellung dem Gral der Begierde entgegen. Wir werden argwöhnisch beäugt und die ganze Schar beginnt sich schon etwas unruhig auf der von uns entferntesten Seite der Bucht zu sammeln. Langsam und lautlos rudern wir der Schar entgegen. Die Flamingos im Visier der Kamera. Noch näher und näher. Geschnatter und immer unruhiger wird die Schar. Wir nähern uns auf ca. 200m. Die langbeinigen Vögel gehen unerwartet in Angriffsstellung über, aber wir rücken mutig näher. Die erste Line der Kampfformation stürzt sich auf uns nieder. Wir wehren uns mit dem Paddel und mit blossen Händen. Das Dingi hält den blutroten und scharf gewetzten Schnäbel der Todesvögel zum unserem grossen Glück stand. Wir ringen um unser Leben. Die ersten Kampfvögel liegen tod oder verletzt im blutigen und schwarzen brakigen Wasser neben uns. Irgendwann lassen die Vögel ab und verschwinden in einem DSC09464.JPG Formationsflug Richtung Süden. Totenstille, es fühlt sich wie bei Hitchcock an. Wir sehen wie sich die Vögel neu formieren. Wir starten unser Aussenborder und pflügen das Wasser in Richtung der schmalen Furt durch, woher wir gekommen sind. Die Brühe um uns herum kommt jetzt einem noch stinkiger grausiger vor als je zuvor. Nach einiger Zeit finden wir die DSC01277.JPG schmale Fahrrinne und beginnen wieder mit dem Paddel uns vorwärts zu stossen. Die Krebse erwarten uns schon am Ende des Kanals.  Sie wetzen schon ihre Scheren und man sieht ihnen ihre Blutrünstigkeit auch durch das schmutzige Wasser genauestens an. In einem atemberaubenden Tempo schaffen wir es das schwere Dingi über die Wassertümpel zu tragen. Die Krebse, schon mit umgebundenen Servietten, bleiben mit erstauntem Blick wie angewurzelt stehen. Wir säubern das Dingi vom schwarzen Schlamm der bei der wilden Rückfahrt den Gummi über und über besudelte. Wir starten den Aussenborder und fahren aufs Meer hinaus Richtung Segelyacht. Hinter uns liegt das Grauen.

Ein Plättli mit ein paar kühlen Bieren lässt uns das Geschehene verarbeiten und uns auf andere Gedanken kommen. Andreas kommentiert die Geschehnisse an Urs während unseres Tripps, waren wir doch immer im Blickfeld durch den Feldstecher vom Meer aus. Beim Anschauen der Bilder stelle ich mit erschrecken fest, dass die Batterie leer ist. Wäre das ein paar Minuten früher passiert….. keiner würde uns glauben was wir erlebt haben.

Wir steuern Petriti an (N39.450245,E20.008593). Einen kleinen Fischerhafen wo wir in der Bucht ankern. Unterwegs leisten uns Delfine kurz Gesellschaft. Mit dem Dingi shutteln wir an Land und unternehmen einen kleinen Hafenrundgang. In einer kleinen Kneipe trinken wir griechischen Wein, derweil Andreas wieder mal im Internet „wer weiss schon was“ um nach seinen Mails zu sehen. Wir beobachten eine Reihe von Fischerbooten die aufs Meer hinausfahren.

IMG_0280.JPG Andreas führt uns in ein Fischlokal. Man kennt Andreas hier und Freude herrscht, dass er immer wieder neue Gäste bringt. Fakelaki!? (Fakelaki, das griechische Wort für finanzielle Nachhilfe zur Erreichung von persönlichen Zielen) Wir werden in die Küche geführt und lassen uns zeigen was an Meeresgetier vorrätig ist. Sieht alles sehr lecker aus und wir lassen uns eine gemischte Platte zusammenstellen. Den servierten und etwas modrig riechenden griechische Hauswein konnten wir glücklicherweise umtauschen.

Zurück aufs Schiff mit dem obligaten Schlummertrunk. Wehmütig stellen wir fest, wie schnell die Woche rum war und es morgen wieder zurück in den Hafen geht, also unser zweitletzter Abend auf dem Schiff.

 

 

 

 

DSC09514.JPG Freitag, 4. Juni 2010, sonnig und sehr warm, Festungstag

Von Petriti im Norden von Corfu fahren wir wieder einmal dem Wind entgegen Richtung Hauptstadt. Wir legen im Hafen vor der Festung an. Die Alte Festung ("Paleo Frourio") gegenüber der Esplanade wurde von den Venezianern im 14. Jh. auf den Grundmauern eines byzantinischen Kastells erbaut und ab dem 16. Jh. zur Verteidigung gegen die Osmanen erweitert. Dabei wurde auch der imposante Wassergraben, die "Konrafossa", angelegt. Heute zeugt nur noch wenig von der einstigen italienischen Herrschaft; der Großteil der Gebäude ist von den Briten errichtet worden. Dazu zählen die Kirche Agios Georgios, die an einen dorischen Tempel erinnert. Vor der Festung steht ein Denkmal zu Ehren des Grafen Johann von der Schulenburg, der 1716 die Insel erfolgreich gegen die Türken verteidigte. Mit dem Dingi fahren wir an die Hafenmauer und betreten die Hauptstadt über viele Treppen und Gänge durch die Festung.

DSC09576.JPG Plötzlich wieder so viele Menschen um sich zu haben, nach dieser Abgeschiedenheit auf dem Meer, erschlägt uns buchstäblich. Bei diesem Lärm, das Gedränge und die vielen Sprachen die man durcheinander hört, möchte man am liebsten wieder umkehren. Die Hauptstadt von Korfu gleicht den vielen anderen Städten auf der Welt. All die Modelabels wie man sie in Mailand, Stockholm oder sonst wo auf der Welt trifft man hier auf der Shopping und Souvenirmeile auf Schritt und Tritt an. Die Stadt macht einen etwas heruntergekommen Eindruck. Vieles ist reparaturbedürftig. Aber halten wir uns doch an die Reiselektion Nummer 5 vom Schriftsteller und Philosophen Paulo Coelho: Vergleiche nicht! Vergleiche nichts, weder Preise noch die Sauberkeit, noch die Lebensqualität, noch die Verkehrsmittel, nichts! Du reist nicht um zu beweisen, dass du besser lebst als die Anderen. Du solltest herausfinden wie die anderen leben und was sie dich lehren können! Wie sie mit der Realität und dem Besonderen im Leben umgehen.

In einer kleinen Seitengasse zehrt uns Andreas in einen kleinen Souvlaki Kneippe, der mit uns sechs fast schon ausgebucht ist. Es gibt keine Speisekarte da nur Fetakäse, Souvlaki-Spiesse und Pommes angeboten werden. Vor dem grossen Holzkohlengrill steht der Chef, während die Chefin serviert und einkassiert. Noch ein Bier und Hansjörg begleicht die Rechnung aus der schon paarmal aufgestockten Bordkasse. Nun ist die letzte Möglichkeit Souvenirs zu kaufen um den Verzicht der daheimgeblieben zu kompensieren. Kompliziert wie immer und überall etwas Ausgefallens für jemand der schon alles hat zu finden. Die Griechen sind sicherlich auch froh, wenn die „Touris“ shoppen. Das Staatsdefizit wird es aber kaum verringern, da viele Läden offensichtlich ohne Registrierkasse arbeiten. Bei der berühmten Pariser Allee treffen wir uns zu einem griechischen Kaffe. Ein Gemisch aus Milch mit viel Nescafé über Crashed Ice in einem Wasserglas serviert. Schmeckt gut bei diesem heissen Wetter.

Langsam geht’s durch die Festung zurück zum Yacht. Wir nehmen Kurs auf die Marina Guvia. Noch ein Abstecher zur Safety-Instruction Bucht wo wir zum Törn starteten.  Ein letztes Mal in dieser Woche eintauchen ins Meer und eine paar Runden ums Boot. Nächste Station ist das Auftanken, mit ein Teil des Vertrages den Urs mit dem Skipper abschloss. Ganz schön knifflig zum Anlegen an der Tankstelle. Neben uns machen das noch eine ganze Reihe anderer Boote. Die Säule hat einen giraffenhalslangen Schlauch der bis zum Tankanschluss des Bootes reicht. Knapp 30 Liter Diesel können nachgefüllt werden. Nun geht’s zum Hafen. Die Fender werden seitlich gesetzt und Andreas fährt unser Schiff rückwärts zum Peer. Zeit um sich frisch zu machen, zu rasieren und duschen.

DSC09613.JPG Wir entschieden uns wieder für den SORBAS für das Nachtessen. Vor Abmarsch eines der letzten Foto. Vis-a-vis von SORBAS schauten wir kurz in einen Spirituosenladen. Die Bedienung spricht uns zu unserer Überraschung in „schiizerdütsch“ an. Sie arbeitete mal in Zofingen und Aarau. Wie klein doch die Welt ist. Wir verabredeten uns zum Schnapskauf für nach dem Essen. Das Essen wie erwartet gut und sirtakimässig. Andreas stösst später zu uns. Einen letzten griechischen Salat mit viel Feta rundet diese erlebnisreiche Woche ab. Hansjörg gibt die letzten schwachen Euro für das Essen aus. Im Laden gegenüber kaufen wir ein paar Flaschen Uzo und müssen natürlich die spendierten Schnäpse trinken.

Der Weg zurück auf Schiff ist kurzweilig. Der letzte Schlummertrunk auf dem Schiff und Kojen beziehen.

 

 

Samstag, den 5 Juni 2010, bewölkt und Wind für heute nicht von Bedeutung

letztesbild.jpg Um acht ist Abfahrt geplant. Wir verlassen das Schiff, verabschieden uns von Andreas, der uns seine Visitenkarte von der Blue Lagoon überreicht und uns nahe legt, ganz viel Werbung für ihn und seine Unternehmung zu machen. Traurig gehen wir dem Peer entlang zur Strasse und bestaunen ein letztes Mal die wunderschönen Yachten die hier vor Anker liegen. Wir sind pünktlich und das avisierte Taxi auch, welches den Weg zum Flughafen rasant unter die Räder nimmt.

Viel zu früh, aber eben: man hat zum Fliegen meist nur eine Chance den Flieger zu erwischen. Das Einchecken ist äusserst umständlich, klappt aber letztlich doch. Wir vertreiben uns die Zeit mit herumwandern. René schafft es ein paar Kaffees zu organisieren. Boarden zum Flug AB 3791 nach Zürich. Klappte alles reibungslos und wir kommen inkl. Gepäck in Zürich wohlbehalten an. Das Auto steht noch Millimeter genau auf seinem Platz und wir laden unsere Taschen in den Kofferraum. Die beiden Fahrchefs (vorne sitzend) bringen uns sicher nach Hause.

Schön war‘s! Zur Nachahmung empfohlen und Urs einen grossen Dank an die Organisation.

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